
Wie WITRON Stahlfertiger in Waidhaus seine Wärmeversorgung auf regionale Abwärme und Deckenstrahlplatten umgestellt hat
Lahr, Februar 2026. Im oberpfälzischen Waidhaus betreibt WITRON Stahlfertiger 22 Produktionshallen mit einer Gesamtfläche von rund 27.000 m². Einen Teil der benötigten Energie gewinnt der Standort über eigene Photovoltaikanlagen und die Nutzung regionaler Abwärme aus einer benachbarten Biogasanlage. Bei der Wärmeversorgung setzt das Unternehmen heute auf mehr als 3.500 m² Deckenstrahlplatten vom Typ Zehnder ZIP. Sie haben die früher eingesetzten Gas-Dunkelstrahler ersetzt.
Anfangs war das Unternehmen von Stefan Voit auf den klassischen Hallen- und Stahlbau fokussiert, heute übernimmt WITRON Stahlfertiger die Fertigung von Modulbauten und Bühnen-Konstruktionen sowie die Herstellung von Komponenten für automatisierte Lager- und Kommissioniersysteme. Voit setzte früh auf Digitalisierung und moderne Fertigung, etwa automatisierte Schweißtechnik, digitale Planung, moderne Maschinenparks und internes Materialmanagement, um effizient und wettbewerbsfähig zu bleiben. 2023 wurde die Stefan Voit GmbH von WITRON übernommen und nennt sich seither WITRON Stahlfertiger. Weltweit beschäftigt die WITRON Gruppe rund 7.500 Mitarbeitende – vor Ort in Waidhaus sind es rund 80; die jährlich 10.000 - 12.000 Tonnen Stahl verarbeiten.
Schon 2009 ließ Stefan Voit die erste eigene Halle errichten. Ab da ging es steil bergauf, sodass Jahr für Jahr mehr Hallen dazukamen. Bis 2017 nannte das Unternehmen neun Fertigungshallen sein Eigen – dann folgte mit der Abkehr von der damaligen Energiequelle Gas ein weitreichender Einschnitt, wie Stefan Voit erzählt: „Ich wollte weg von fossilen Energieträgern und die Wärmeversorgung auf andere Energiequellen umstellen – mit dem Ziel, unabhängiger und wirtschaftlicher zu werden.“
Das gesamte Wärmekonzept basiert heute auf der Kooperation mit einem Landwirt, dessen Biogasanlage überschüssige Wärme produziert. Eine rund einen Kilometer lange Wärmeleitung verbindet das Nachbargrundstück mit dem Areal von WITRON Stahlfertiger. Dort wird die Energie in einem 8.000-Liter-Pufferspeicher zwischengespeichert und bedarfsgerecht an die Hallen verteilt. Ergänzt wird das System durch eine großflächige PV-Anlage.
Nach Angaben des Unternehmens werden die Hallen damit ohne fossile Brennstoffe beheizt. Der Standort deckt nach eigenen Angaben insgesamt zwischen 50 und 55 Prozent seines Energiebedarfs über die genannten Energiequellen.
Für den „Macher“ Stefan Voit stellte dieser Energieträgerwechsel eine geeignete Gelegenheit dar, sich im gleichen Atemzug auch vom ungeliebten Wärmeverteilsystem Gas-Dunkelstrahler zu trennen. Die Technik entsprach aus Sicht des Unternehmens nicht mehr den eigenen Anforderungen an die Wärmeversorgung. „Jeder Dunkelstrahler galt als einzelne Verbrennungsanlage und benötigte daher ein separates Abgasrohr. Von der verpflichtenden Prüfung durch den Schornsteinfeger zweimal im Jahr ganz zu schweigen.“, erinnert sich der Geschäftsführer.
Auf der Suche nach einem geeigneten Ersatz, war eines schnell klar: Selbst moderne Dunkelstrahler würden dem Stahlfertiger nicht mehr in die Halle kommen. Auch Umluftheizungen wollte man wegen der damit verbundenen Luftbewegung nicht einsetzen, denn die Luftbewegung hätte Staub und Schmutz ins Gewerk gebracht. Zudem bringt die tägliche Arbeit mit Stahl einen ganz eigenen Anspruch mit sich, wie Stefan Voit erklärt: „Wir benötigen die Wärme für die Funktionstüchtigkeit der Maschinen, dafür muss sie möglichst gleichbleibend und gleichmäßig verteilt bereitgestellt werden. Temperaturänderungen wirken sich beispielsweise stark auf Krananlagen aus, wie sie in den Hallen allesamt unter der Decke installiert sind. Die gesamte Stahlkonstruktion dehnt sich bei wechselhaften Temperaturen messbar aus oder zieht sich zusammen. Dadurch kann sich der Kranwagen verkanten, Schienen können sich verschieben und die Belastung auf das Fahrwerk steigt.“ Aus Sicht des Unternehmens ist deshalb ein möglichst konstantes Temperaturniveau wichtig.
Hinzu kommt der Anspruch, den Beschäftigten ein möglichst angenehmes Arbeitsumfeld mit behaglichen Temperaturen zu bieten.
Deckenstrahlplatten für hohe Hallen
Mit diesen Vorgaben machte man sich 2017 auf die Suche und wurde schnell auf den Raumklimaspezialisten Zehnder aufmerksam, dessen Deckenstrahlplatten dem Anforderungsprofil des Stahlbauers entsprachen. Die Auswahl fiel bewusst auf den Typ Zehnder ZIP – dieser bietet die für das Projekt erforderliche Leistung und ist zugleich vergleichsweise leicht und daher ideal für die Montage in Hallen mit Kranbahnen geeignet. „Bei Raumhöhen von acht bis zehn Metern und laufendem Produktionsbetrieb war das ein echter Pluspunkt“, erklärt Zehnder Gebietsleiter Bernd Sämann.
Die Befestigung erfolgte über Trapezblech-Unterschalen mit Kettenabhängung – ein Verfahren, das in allen Hallen zuverlässig und zeiteffizient umgesetzt werden konnte. Die Planung der Achsabstände und Auslegung der Heizleistung übernahm Zehnder auf Basis übermittelter Hallenpläne.
Strahlungswärme statt erwärmter Luft
Bei Deckenstrahlplatten wird die Wärme über Strahlung direkt an Oberflächen, Maschinen und Personen im Raum übertragen. Dadurch muss nicht zunächst das gesamte Luftvolumen einer großen Halle erwärmt werden. Gerade bei hohen Raumvolumen kann diese Form der Wärmeübertragung für die Planung der Wärmeversorgung relevant sein.
Für den Standort Waidhaus war zudem entscheidend, dass die Wärme ohne Luftbewegung verteilt wird. Damit wird vermieden, dass durch das Heizsystem zusätzliche Luftbewegungen entstehen.
Nach Angaben von Zehnder kann die Raumluft bei entsprechenden Anwendungen um bis zu drei Kelvin niedriger temperiert werden als bei klassischen Konvektionslösungen. Ob und in welchem Umfang sich daraus ein geringerer Energieverbrauch ergibt, hängt von den jeweiligen Randbedingungen der Anlage ab.
Neben der Wärmeverteilung spielt für WITRON Stahlfertiger der laufende Betrieb eine Rolle. Die Deckenstrahlplatten von Zehnder benötigen nach Herstellerangaben keine regelmäßige Wartung. Die Temperatur wird zentral geregelt und kann an die Anforderungen des Standorts angepasst werden. „Die optionale Kühlfunktion der Deckenstrahlplatten wurde in Waidhaus nicht benötigt, ließe sich allerdings jederzeit nachrüsten“, ergänzt Sämann.
Schrittweise Umrüstung im laufenden Betrieb
Während von 2017 bis Juni 2024 alle neu gebauten Hallen mit Deckenstrahlplatten Zehnder ZIP ausgestattet wurden, entschied sich Voit im März 2022 für den Abriss der in die Jahre gekommenen ersten Halle. Ab dann wurden sukzessive in allen Bestandshallen die ausgedienten Dunkelstrahler mit Deckenstrahlplatten ausgetauscht – wohl gemerkt, während der Bau von jährlich zwischen einer bis drei neuen Hallen weiterlief.
Heute sind nach Angaben des Unternehmens alle 22 Fertigungshallen mit Deckenstrahlplatten ausgestattet. Insgesamt kommen rund 3.500 m² Platten auf einer Hallenfläche von etwa 27.000 m² zum Einsatz.
„Ohne eine enge Abstimmung der einzelnen Gewerke, wäre dieses Projekt überhaupt nicht zu stemmen gewesen“, zeigt sich Stefan Voit sichtlich zufrieden. Auch künftig sollen neu errichtete Hallen am Standort nach Unternehmensangaben mit Deckenstrahlplatten ausgestattet werden.
Konstante Temperaturen für den Produktionsbetrieb
Die Wärmeversorgung der Hallen wird witterungsgeführt betrieben. Die Vorlauftemperatur erreicht bis zu 85 °C, die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf liegt bei etwa 15 bis 20 Kelvin. Die zentrale Regelung steuert die Wärmeversorgung während der Heizperiode, die nach Angaben des Unternehmens etwa im Oktober beginnt und bis ins Frühjahr reicht. Die Zieltemperatur in den Hallen liegt konstant zwischen 14 und 18 °C. Für WITRON Stahlfertiger geht es dabei nicht allein um die Raumtemperatur. Auch die Bedingungen für Maschinen und Produktionsabläufe spielen eine Rolle.
„Heute ist die Wärmezufuhr einfach da, ohne dass man sie bemerkt – genau so soll es sein“, fasst Voit die Erfahrungen am Standort zusammen.
Nach Angaben des Unternehmens schätzen auch die Mitarbeitenden die gleichmäßige Wärmeverteilung und das weitgehend zugluftfreie Raumklima.
Ein Energiekonzept mit mehreren Bausteinen
Die Wärmeversorgung in Waidhaus basiert heute auf mehreren Komponenten: regionaler Abwärme aus der benachbarten Biogasanlage, einem Pufferspeicher und der eigenen Photovoltaikanlage. Die Deckenstrahlplatten übernehmen die Wärmeverteilung in den Hallen.
Nach Angaben von WITRON Stahlfertiger liegt der Anteil der am Standort selbst beziehungsweise über die regionale Wärmequelle bereitgestellten Energie derzeit bei 50 bis 55 Prozent. „Würden wir nicht im Zweischichtbetrieb arbeiten, läge diese Zahl noch um einiges höher. Schade, dass nachts keine Sonne scheint“, sagt Voit.
Für den Stahlfertiger war die Umstellung der Wärmeversorgung damit mehr als ein Austausch einzelner Heizgeräte. Sie war Teil einer schrittweisen Veränderung der Energieversorgung des gesamten Standorts. Die Deckenstrahlplatten bilden dabei einen Baustein des Gesamtsystems.
Weitere Informationen unter: https://zgde.gmbh/witron-stahlfertiger
ENDE