01.07.2014

Ungenügende Feinstaub-Grenzwerte am Arbeitsplatz

Feinstaubalarm in den Straßen – Werte in Innenraumluft dagegen oft dramatischer

Lahr im Juli 2014. Ging es in der 1950er-Jahre-Gaunerkomödie „Pariser Luft“ mit der jungen Brigitte Bardot noch um kriminelle Machenschaften in den Straßen von Frankreichs Kapitale, so sieht sich die Hauptstadt unseres Nachbarlandes heute mit kriminell hohen Smogwerten in ihrer Atmosphäre konfrontiert. Die Metropole verhängte daher im März dieses Jahres das erste Mal seit 1997 ein teilweises Fahrverbot für Pkw. Eine drastische Maßnahme als konsequente Reaktion auf die stark erhöhten Feinstaubwerte, welche die Bewohner von Paris  tagtäglich in den Straßen einatmen müssen. Interessant dabei ist, dass eine aktuelle Erhebung zeigt: Die Feinstaubwerte in der Raumluft liegen an so manchen Arbeitsplätzen – auch in Deutschland – teilweise um ein Vielfaches höher als die im Pariser Straßenverkehr beanstandeten Werte und überschreiten oft die gesetzlichen Grenzwerte für Außenluftbereiche.

Feinstaub ist heute in aller Munde – und das leider im wörtlichen Sinne: Viele Großstädte kämpfen regelmäßig mit zu hohen Smogwerten in der Außenluft, so dass diverse Metropolen wie Paris, Tokio oder Athen in den letzten Jahren bereits  temporäre Fahrverbote oder konkrete Verhaltensvorschriften für die Bewohner verhängten. Unter Feinstaub versteht man laut Umweltbundesamt einatembare Partikel in der Atmosphäre ab einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer (PM10). Treten diese Teilchen in hoher Konzentration auf, verstärkt dies erheblich die Gefahr von Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen, wie Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) belegen. Daher gilt bereits seit 2005 europaweit ein täglicher Grenzwert von maximal 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Im Jahresmittel soll das Feinstaubaufkommen nicht über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft pro Tag liegen. Diese Regulierung bezieht sich jedoch nur auf die Außenluft und hatte zum Beispiel das Feinstaubplakettensystem für Autos in vielen deutschen Städten zur Folge. In Paris sorgten Werte von ca. 180 Mikrogramm PM10 pro Kubikmeter Luft über Tage hinweg für das teilweise Fahrverbot.

Doch während wir uns – durchaus zu Recht – Sorgen um unsere Gesundheit machen, weil die Feinstaubkonzentration in der Luft vieler europäischer Großstädte auf ungesunde Niveaus steigt, scheinen wir zu vergessen, dass es an vielen Arbeitsplätzen noch weitaus schlechter um die Luftverhältnisse bestellt ist. Eine aktuelle Auswertung von Zehnder – einem führenden Hersteller von Innen¬raum-Luftreinigungs-Systemen in Europa – zeigte jüngst Erstaunliches: Insgesamt wurden deutschlandweit 100 Lagerhallen und Logistikzentren diverser Unternehmen auf ihre Feinstaubwerte in der Hallenluft untersucht. Davon lagen 82% über dem Wert von 50 Mikrogramm, der in den Straßen deutscher  Städte bereits den oberen Grenzwert darstellt. Mit teilweise weit über 150 Mikrogramm lag gut ein Viertel zudem konsequent in dem Bereich, der dieses Frühjahr in Paris das Fahrverbot zur Folge hatte. Bedenkt man, dass sich die meisten Arbeitnehmer täglich etwa acht Stunden an ihrem Arbeitsplatz befinden, kann man hierbei durchaus von einem profunden Gesundheitsrisiko ausgehen. So veröffentlichte aktuell ein internationales Team von Wissenschaftlern im renommierten British Medical Journal ein Forschungsergebnis, nachdem bereits eine Erhöhung des Feinstaubanteils um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft die Wahrscheinlichkeit von Herzproblemen um 13 Prozent steigert.

Doch obwohl eine erhöhte Feinstaubbelastung erwiesenermaßen zu ernsthaften Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen kann und zudem im Verdacht steht, Diabetes Vorschub zu leisten, sind diese hohen Werte am Arbeitsplatz leider durchaus im gesetzlichen Rahmen. Denn erstaunlicherweise liegt der Feinstaub-Grenzwert in Arbeitsstätten derzeit bei 10.000 Mikrogramm für einatembare Feinstaubpartikel. Das bedeutet, der legale Wert für die Feinstaubbelastung im beruflichen Umfeld ist 200 mal so hoch angesetzt wie die 50 Mikrogramm, die in der Außenluft erlaubt sind, obgleich viele Arbeitnehmer einen Großteil ihres Tages in genau diesen Luftverhältnissen zubringen müssen. Solange hier kein sinnvoll angepasster EU-Grenzwert erlassen wird, bleibt nur zu hoffen, dass immer mehr Arbeitgeber aus eigenem Antrieb mit innovativen Lösungen zur Feinstaubreduzierung in die Gesundheit, Zufriedenheit und letztlich auch Leistungsfähigkeit ihrer Angestellten investieren.        

ENDE

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Herr Stephan Hanken