Historie Zehnder Group
Zehnder ist nicht erst mit Heizkörpern bekannt geworden. In aller Munde kam dieser Name in den zwanziger Jahren mit dem Zehnder-Motorrad, dem populären Leichtmotorrad, das der Motorisierung des kleinen Mannes diente. Obwohl die Unternehmertätigkeit der Familie Zehnder schon 1895 begonnen hatte, entstand erst 1930 jenes Produkt, das Zehnder schliesslich gross werden liess: der erste Stahlrohrradiator Europas. Die folgende Zehndergeschichte zeigt, wie sich die kleine mechanische Werkstätte zu einer Firmengruppe mit 3000 Mitarbeitern entwickelte.

Zehnder Geschichte

2014

Zehnder präsentiert eine weitere Produktinnovation

Zehnder präsentiert eine weitere Produktinnovation und zeigt erstmals das neue dezentrale Komfort-Lüftungsgerät ComfoAir 70. Außerdem wird das Produktsortiment um die besonders im Passivhaus starken Produkte der Firma PAUL erweitert und können nun mit allen Vorteilen über Zehnder bezogen werden.

2013

Innovativer Komplettanbieter für perfekte Raumklimalösungen

Auf der ISH 2013 präsentiert sich Zehnder erneut als innovativer Komplettanbieter für perfekte Raumklimalösungen. So wurde der innovative, preisgekrönte Design-Heizkörper Zehnder Vitalo und das Kompakt-Lüftungssystem für Wohnungen mit dem neuen Lüftungsgerät Zehnder ComfoAir 180 vorgestellt. Ein weiteres Highlight stellt das neue Zehnder Heiz- und Kühldecken-System dar, das sich „unsichtbar“ hinter einer Gipskartondecke versteckt.

2012

Zehnder behauptet seine Führungsposition

Zehnder behauptet seine Führungsposition im Markt als Komplettanbieter in Sachen optimales Raumklima mit immer neuen innovativen Produkten und Systemlösungen. Als ein besonderes Highlight gilt der Wärmepumpen-Heizkörper Zehnder Nova Neo.

2011

Partner für komfortable, gesunde und energieeffiziente Raumklimalösungen

Als perfekter System-Partner für komfortable, gesunde und energieeffiziente Raumklimalösungen präsentierte sich Zehnder auf der diesjährigen ISH mit neuem Messekonzept und wurde, nicht alleine durch neue Produkte, seinem Ruf als Designführer gerecht. Der Gewinn des Plus X Award als innovativste Marke unterstreicht dies eindrucksvoll.

2009

Zehnder präsentiert sich auf der ISH in Frankfurt als innovativer Komplettanbieter für ein gesundes und komfortables Raumklima

Es wird erstmals die Kompakt-Energiezentrale Zehnder ComfoBox zum Heizen, Kühlen, Lüften und Warmwasser aufbereiten vorgestellt. Die schnellste und effizienteste Deckenstrahlplatte Zehnder Carboline zum Heizen und Kühlen wird eingeführt.

2007

Einstieg in das Geschäftsfeld für Luftfilter und Luftreinigungsgeräte im industriellen Bereich

Auf der ISH in Frankfurt präsentiert sich Zehnder als Systemanbieter für Heizen,  Kühlen und Frische Luft. Die energieeffizienten System-Innovationen mit Design umfassen das neue Luftverteilsystem Zehnder OnFloor, den Handtuchwärmer Villeroy & Boch by Zehnder Planus ausgezeichnet mit dem red dot und iF Design Award und das Deckenheiz-System ZBN.

2005

Mit der Produkt-Familie Dualis setzt Zehnder neue Maßstäbe im Heizkörper-Design

Der Stahlheizkörper mit Aluminiumfront verfügt über einen großen Anteil an angenehmer Strahlungswärme und eignet sich für Bad, Wohnraum sowie Objekt. Die Innovation wird mit dem Design Plus Award ausgezeichnet.

2003 - 2004

Umweltbewusstes Wirtschaften

Im Werk Boleslawiec/PL der Zehnder Group nahm eine der modernsten Verchromungsanlagen Europas den Betrieb auf. Um eine umweltverträgliche Verchromung zu gewährleisten, ist das Verchromungswerk in Boleslawiec/PL ab Betriebsaufnahme gemäss EN ISO 14001 (Umweltmanagement-System) zertifiziert.

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Im Rahmen einer freiwilligen Vereinbarung mit dem schweizerischen Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft engagiert sich das Produktionswerk Gränichen/Schweiz für die Steigerung der Energieeffizienz und eine Reduktion der CO2- Emissionen.

Beginn einer Kooperation mit Villeroy & Boch

Von Designern an die Serien von Villeroy & Boch angepasste Bad-Heizkörper werden unter dem Co-brand Villeroy & Boch by Zehnder vertrieben.

2001 - 2002

Einstieg in das Lüftungsgeschäft

Einstieg in das Geschäftsfeld der Komfort-Lüftungen. Umfirmierung der Holding in Zehnder Group AG.

Neues Geschäftssegment - Kühldecken

Das Portfolio des Geschäfts-Segments Strahlungsheizung wird um Kühldecken ergänzt. Zusätzlicher Einsatzbereich für Büros, Ausstellungsräume und öffentliche Gebäude

1984 - 1986

Die Familiengesellschaft im Wandel

Zu Beginn der achtziger Jahre war Zehnder immer noch eine reine Familiengesellschaft. Mittlerweile arbeiteten jedoch nur noch Angehörige von zwei der ursprünglich sechs Familienstämme im Unternehmen mit. Der Finanzbedarf der Firmengruppe wuchs laufend, und es war fraglich, wie lange die Familie das für das weitere Wachstum benötigte Kapital noch allein würde aufbringen können.

Gründung der Zehnder Holding AG

Nach intensiven familieninternen Diskussionen einigte man sich darauf, das Unternehmen einem breiteren Publikum zu öffnen. Um die Voraussetzungen zu schaffen, wurde 1984 die Zehnder Holding AG gegründet. Unter ihrem Dach vereinigten sich nun die zur Gruppe gehörenden Unternehmungen in übersichtlicher Weise, während vorher die organisch entstandenen Beteiligungsverhältnisse ziemlich verschachtelt gewesen waren.

1980 - 1994

Ein Produkt für die Zukunft: der Handtuchradiator

Zu Beginn der achtziger Jahre gelang Zehnder mit der Lancierung des Handtuchradiators eine Produktinnovation, die den Heizkörpermarkt stark veränderte. Dieser bei der französischen Zehnder-Tochter entwickelte und durch die Konkurrenz bald nachgeahmte Heizkörpertyp, den es mittlerweile in verschiednenen Variationen gibt, wurde zu einem wesentlichen Umsatzträger. Der Handtuchradiator eignet sich bestens zum nachträglichen Einbau. Damit trat Zehnder vermehrt im Renovationsmarkt auf, der im Lauf der achtziger Jahre an Wichtigkeit zunahm.

Wechselhafte Erfahrungen mit den übrigen Sparten

Die Entwicklung in den übrigen Sparten verlief wechselhaft. Die Aktivitäten im Maschinenbau wurden 1982 ganz eingestellt. Die 1975 übernommene Haenni-Gruppe erneuerte in den achtziger Jahren ihre Produktpalette, indem sie einen Technologiewandel von mechanischen zu elektronischen Messgeräten vollzog. Der Umbau zur High-Tech-Gruppe liess auf eine gute Zukunft hoffen, doch führten ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den folgenden Jahren zu anhaltenden Ertragsschwierigkeiten.

Europäischer Innovationsführer im Bau von Sonderheizkörpern

Das Heizkörpergeschäft war im Gegensatz zu den übrigen Sparten sehr erfolgreich. Da die Gruppe geografisch inzwischen breit abgestützt war, konnte ihr auch die 1991 einsetzende Rezession nicht viel anhaben. Vor allem die deutsche Tochtergesellschaft florierte. Sie baute in den neuen Bundesländern eine Vertriebsorganisation auf und profitierte von der wirtschaftlichen Hochstimmung nach der Wiedervereinigung. Der Anteil von Zehnder-Beutler am deutschen Markt für Sonderheizkörper betrug Ende der achtziger Jahre schätzungsweise fünfzig Prozent, jener der gesamten Zehnder-Gruppe in Europa etwa ein Drittel.

1973 - 1980

Dramatischer Einbruch in der Bauwirtschaft

Die Jahre zwischen 1945 und 1973 hatten im Zeichen eines scheinbar unaufhaltsamen wirtschaftlichen Aufwärtstrends gestanden. Um so drastischer erlebten die Zeitgenossen das abrupte Ende der Hochkonjunktur, als im Oktober 1973 die erdölexportierenden Länder mit einem Lieferstopp den Ölschock auslösten und damit eine sich abzeichnende Trendwende beschleunigten. Als Zulieferer der besonders betroffenen Bauindustrie, musste sich Zehnder Gedanken über die Zukunft machen. Während andere schweizerische Hersteller die Heizkörperproduktion aufgaben, war Zehnder jedoch entschlossen, im Markt zu bleiben und die mittlerweile errungene Position als grösster Produzent des Landes zu halten.

Die Diversifizierung als Schlüsselprojekt

Aus einer intensiven Strategiediskussion ging der weittragende Entscheid hervor, sich ausserhalb der Baubranche ein zweites Standbein zu schaffen, um konjunkturresistenter zu werden. 1975 wurde die anstrebte Diversifizierung vollzogen. Zehnder beteiligte sich am Messgerätehersteller Haenni, einer Firmengruppe mit je einem Werk in der Nähe von Bern und bei Stuttgart. Die neue Sparte Messgeräte trug in den folgenden Jahren rund ein Drittel zum Umsatz der Zehnder-Gruppe bei. Weitere sechs bis zehn Prozent entfielen auf Aktivitäten im Maschinenbau. Mehr als die Hälfte des Umsatzes stammte jedoch weiterhin aus dem Heizkörpergeschäft.

Zusammenschluss von Zehnder und Beutler

Das Heizkörpergeschäft erfuhr eine wesentliche Verstärkung, indem die deutsche Zehnder-Gesellschaft Anfang 1980 mit dem Heizkörperhersteller Beutler zur Firma Zehnder-Beutler fusionierte. Die mittelständischen Unternehmen Zehnder und Beutler standen, obwohl beide gesund, grossen Mitbewerbern gegenüber, die im Radiatorengeschäft bereits wesentliche Marktanteile errungen hatten. Der Zusammenschluss war daher eine Vernunftehe und machte um so mehr Sinn, da die Werke der beiden Unternehmen bloss dreissig Kilometer voneinander entfernt lagen und sich die Produktionseinrichtungen ideal ergänzten.

1967 - 1972

Ein völlig neuer, formschöner Röhrenradiator

Auf die Bedrängnis durch Konkurrenten und neue Produkte reagierte Zehnder vorerst dadurch, dass 1965/66 Werbung und Verkauf, vor allem aber die Konstruktionsarbeiten für eine rationellere Fertigung forciert wurden. In dieser Phase wurde entschieden, einen neuen Radiatortyp zu entwickeln. Der einsäulige Radiator, der 1967 auf den Markt kam, sollte nicht nur zum Heizen, sondern auch als Raumgestaltungselement eingesetzt werden. Er vereinigte alle Vorteile der Zehnder-Säulenradiatoren - hoher Druck, gute Wärmeabgabe, mühelose Reinigung, flexible Grössen - mit Formschönheit und Transparenz und konnte auch als Geländer, Raumteiler oder vor heruntergezogenen Glasfronten montiert werden.

Zehnder zieht mit Konvektoren und Heizwänden nach

Da die Nachfrage nach Heizwänden und Konvektoren weiter gestiegen war, entschied Zehnder 1968/69 diese Produkte ebenfalls ins Verkaufsprogramm aufzunehmen. 1972 hatte Zehnder bezüglich Produktvielfalt zur Konkurrenz aufgeschlossen. Immer mehr gingen Architekten und Heizungsplaner dazu über, in Neubauten die verschiedenen Radiatorentypen zu mischen, das heisst gezielt dort einzusetzen, wo sie nach Form, Eigenschaften und Heizleistung am besten hinpassten.

1959 - 1966

Die Konkurrenz holt auf

Nach dem Zweiten Weltkrieg lief das Patent für den Stahlrohrradiator ab. Nun hatten andere Hersteller freie Hand, das von Zehnder erfundene Prinzip ebenfalls zu nutzen. Es dauerte jedoch bis 1956, ehe andere Radiatorenhersteller in der Schweiz den Stahlradiator ins Sortiment aufnahmen und damit zu direkten Mitbewerbern von Zehnder wurden. Seit 1953 exportierte Zehnder nach Deutschland. Wenige Jahre später begannen deutsche Radiatorenfabriken, ebenfalls Stahlradiatoren herzustellen. Für Zehnder war es höchste Zeit, sich mit aller Energie dem deutschen Markt zuzuwenden.

Generationenwechsel bei Zehnder und Expansion

Als 1959 das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, übernahmen zwei Angehörige der dritten Generation die Geschäftsleitung. Im Gegensatz zur Gründergeneration interessieren sich die neuen Geschäftsleiter auch für ausländische Märkte. Nachdem Verhandlungen mit mehreren potentiellen Partnern in Deutschland gescheitert waren, entschied Zehnder im Herbst 1963, in der Nähe von Freiburg im Breisgau ein eigenes Produktionswerk zu erstellen. Die Verkäufe in Deutschland entwickelten sich sehr positiv und überflügelten bereits 1970 das Stammwerk in Gränichen sowohl umsatz- wie personalmässig.

Generationenwechsel bei Zehnder und Expansion

Generationenwechsel bei Zehnder und Expansion

1934-1958

Der Fabrikationsprozess im langsamen Wandel

Die ersten Radiatoren waren noch beinahe unter handwerklichen Bedingungen gefertig worden. Der Übergang zur maschinellen Fertigung erfolgte jedoch rasch. Im April 1931 standen in der Werkstatt bereits acht grössere Maschinen mit elektrischem Einzelantrieb. Die Herstellung von Stahlradiatoren blieb aber sehr personalintensiv, weil sich zahlreiche Arbeitsgänge aneinanderreihten. So musste nach jedem Schweissvorgang die Naht entgratet und mit der Schleifmaschine verputzt werden. Am Ende der Herstellungskette wurde jedes einzelne Radiatorelement und schliesslich jeder fertige Radiator auf Dichtigkeit geprüft.

Die Rationalisierung schreitet voran

1934/35 schaffte die Firma Gebrüder Zehnder die ersten Elementschweissmaschinen an. Damit war es möglich, die Stahlrohre maschinell mit den Kopfstücken zu verbinden - ein erster wesentlicher Rationalisierungsschritt. Dies geschah mit einem elektrischen Abbrenn-Stumpfschweissverfahren. Zwischen den Stosskanten von Rohren und Kopfstück erzeugte die Maschine einen Lichtbogen, unter dessen Wirkung sich das Material bis zum Schmelzpunkt erhitzte. Damit ergab sich eine rundum homogene Schweissung von hoher Festigkeit.

1930 - 1933

Die ersten Stahlradiatoren Europas

Nach ihrem Austritt aus der Aktiengesellschaft hielten die Brüder Ausschau nach einer neuen Tätigkeit. Einer von ihnen, Robert, hatte im Gespräch mit einem Heizungsinstallateur erfahren, dass die Lieferfristen für Heizkörper ungewöhnlich lang seien und ihm wurde geraten, die Herstellung von Gussradiatoren aufzunehmen, der damals einzig gebräuchlichen Heizkörperart. Die Zehnders waren allerdings keine Gussfachleute. Doch da erinnerte sich Robert Zehnder, dass viele Lastwagen ein Röhrenregister besassen, das dem Fahrtwind ausgesetzt war und als Kühler fungierte. Kehrt man dieses Prinzip um, könnte man mit einem Röhrenregister auch heizen.

Gründung der Gebrüder Zehnder

Erste Versuche mit Stahlrohren, die zu einem Röhrenregister zusammengeschweisst wurden, gelangen: die Prototypen hielten dicht, auch unter Druck. Als eine Serienfertigung in Reichweite gerückt schien, schlossen sich sechs von sieben Brüdern wieder zusammen, um die Herstellung der mittlerweile zum Patent angemeldeten Stahlrohrradiatoren aufzunehmen. Am 15. Oktober 1930 entschieden sie sich, eine Kollektivgesellschaft mit dem Namen 'Gebrüder Zehnder' zu gründen.

Der Klassiker unter den Heizkörpern

Heizungsinstallateure in der ganzen Schweiz liessen sich von den Vorzügen des Zehnder-Radiators überzeugen. Im Gegensatz zu den Gussradiatoren, die nur in wenigen standardisierten Grössen erhältlich waren, konnten Architekten und Installateure die Ausmasse eines Stahlrohrradiators frei wählen. Zudem war er dreimal leichter als ein Gussradiator gleicher Leistung. Auch ästhetisch überzeugte der Radiator von Zehnder. In seiner geraden und funktionellen Form entsprach er der Architekturauffassung der Moderne. Von seiner Markteinführung bis heute blieb die äussere Form des Klassikers so gut wie unverändert.

Der Zehnder-Radiator etabliert sich am Markt

Die Hersteller von Gussradiatoren lieferten der Firma Gebrüder Zehnder einen erbitterten Preiskrieg. Dessen ungeachtet etablierte sich der Zehnder-Radiator bestens am Markt. Dank Patentschutz konnte ihn niemand nachbauen. Zwar mussten die Brüder während des Zweiten Weltkrieges Umsatzeinbussen in Kauf nehmen, weil die Bautätigkeit weitgehend zum Erliegen kam, doch dafür setzte ihr Unternehmen nach 1945 zum Höhenflug an. Produktion und Umsatz wuchsen Jahr für Jahr mit zweistelligen Zuwachsraten. Die Anstrengungen der Geschäftsleitung galten nur noch zwei Problemkreisen: Wie erweitern wir unsere Fabrikanlagen und wo rekrutieren wir die benötigten Arbeitskräfte?

1923 - 1930

Das legendäre Zehnder-Leichtmotorrad erobert die Schweiz

Auf der Suche nach einem neuen Produkt kaufen die Brüder Zehnder 1923 ein deutsches Kleinmotorrad, mit dessen Motor sie in der Werkstatt Versuche anstellten. Es gelang ihnen, die Leistung des Motors zu erhöhen. Das Leichtmotorrad, das sie im Herbst 1923 mit dem verbesserten Motor auf den schweizerischen Markt brachten, fand sehr guten Absatz. Die Maschine wog nur rund fünfzig Kilogramm. Der Zweitaktmotor war äusserst einfach konstruiert und hatte einen Hubraum von 110 cm3. Mit seinem vergleichsweise geringen Preis war das Motorrad für breite Volkskreise erschwinglich. Rasch wurde es unter der liebevollen Bezeichnung 'Zehnderli' populär.

Gründung der Aktiengesellschaft J. Zehnder & Söhne

In den Gränicher Werkstätten nahmen die Brüder Zehnder nun die Produktion in einer ersten grossen Serie von 1000 Motorrädern auf. Mit Hilfe eines Investors gründeten sie am 1. Januar 1924 die 'Aktiengesellschaft J. Zehnder & Söhne'. Während der nächsten Jahre produzierte das Unternehmen mit voller Auslastung und mit einer Belegschaft von zeitweise über 70 Personen.

Zehnder Motorradclubs

Seine Zuverlässigkeit für den täglichen Gebrauch und seine Eignung für Liebhaber des Motorradsports bewies das Zehnder-Motorrad bei den damals sehr populären Berg- und Flachrennen, an denen sich nahezu alle schweizerischen Motorradfabriken beteiligten. Es gab kaum Prüfungen, bei denen das 'Zehnderli' nicht den Kategoriensieg errang. Das Netz der Zehnder-Vertreter wuchs in der ganzen Schweiz. Initiative Händler gründeten Zehnder-Motorradclubs, in denen nur Mitglied werden könnte, wer ein Zehnder-Rad besass. Obwohl in der Schweiz unzählige in- und ausländische Motorradmarken erhältich waren, erzielte Zehnder einen stolzen Marktanteil von zehn Prozent.

Der Markt verlangt mehr Leistung

1927 gingen die Verkaufszahlen erstmals wieder zurück. Die Kunden verlangten immer mehr nach leistungsfähigeren Maschinen, weshalb sich die Brüder Zehnder entschlossen, ein Modell mit 250 cm3 zu entwickeln.  Dieses kam 1928 auf den Markt, doch der Motor wies einige Unzulänglichkeiten auf, weshalb sich das neue Rad nicht besonders gut verkaufte. Wegen des schlechten Absatzes geriet das Unternehmen in einen Liquiditätsengpass. Man hatte sehr viel Material eingekauft, um wirtschaftlich produzieren zu können. Die Lagerbestände belasteten das Unternehmen mehr und mehr. Die Suche nach einem Nachfolgeprodukt zur Auslastung der Werkstätten ging erneut los.

Maschinenfabrik Gränichen AG

Anfang 1930 war jedoch die finanzielle Situation so hoffnungslos geworden, dass die Gläubiger die Brüder Zehnder zum Rücktritt aus der Geschäftsleitung veranlassten. Nun führte der Hauptgläubiger das Unternehmen weiter, noch bis 1931 unter der alten Firmenbezeichnung, von da an unter dem Namen 'Maschinenfabrik Gränichen AG'. Das Nachfolgeunternehmen begann 1932 mit der Lizenzfertigung von Motorrädern der Marke 'Standard'. Einige Zeit bot die Maschinenfabrik Gränichen nun gleichzeitig Zehnder- und Standard-Maschinen an, liess dann aber in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre die inzwischen technisch veralteten Zehnder-Modelle auslaufen.

1918 - 1922

Wirschaftskrise verhindert geschäftlichen Erfolg

Nach dem Krieg entschieden sich die Brüder Zehnder, Werkzeugschleifmaschinen herzustellen. Die Wirtschaftskrise der folgenden Jahre verhinderte, dass die für ihre Präzision gelobten Maschinen zu einem geschäftlichen Erfolg wurden.

Mit dem Aufbau einer elektromechanischen Abteilung, die verschiedene Neuentwicklungen auf den Markt brachte, versuchten die Brüder, sich über Wasser zu halten. Doch alle Anstrengungen konnten nicht verindern, dass die Belegschaft bereits 1922 nur noch gut 25 Personen zählte.

1889 - 1917

Der Stammvater Jakob Zehnder

Der 1855 geborene Jakob Zehnder war der Stammvater der Unternehmerfamilie Zehnder. Er arbeitet als Mechaniker in einer Fabrik, die Musikdosen herstellte, als sich 1889 ein Kontakt zur Fahrradfabrik Adler in Frankfurt am Main ergab. In den folgenden Jahren konnte er als Vertreter einige Adler-Fahrräder im heimischen Wynental absetzen. Dieser bescheidene Handel und die gelegentlich ausgeführten Reparaturen an den verkauften Rädern ermöglichten dem mehrfachen Familienvater, seinen Fabrikarbeiterlohn etwas aufzubessern.

 

Gründung einer mechanischen Werkstätte in Gränichen

Jakob Zehnder war Ende 30, als in ihm der Entschluss gereift war, sich in seinem Heimatdort Gränichen, wenige Kilometer südlich von Aarau, selbständig zu machen. Er besass Ackerland und begann ein Wohnhaus mit Scheune aufzustellen. Das Ökonomiegebäude sollte sowohl Platz für eine mechanische Werkstatt bieten, als auch einer Landwirtschaft dienen, die weitgehend auf die Selbstversorgung ausgerichtet war. 1895 waren Haus und Werkstatt bezugsbereit. Jakob Zehnders freie Erwerbstätigkeit als Mechaniker und Velohändler begann.

Reparaturen aller Art

Mit dem Hausbau ging Jakob Zehnder grosse finanzielle Verpflichtungen ein. Nichts kennzeichnet so klar seinen Willen, selbständig tätig zu sein, als diese Investition in Haus und Werkstatt. Die vorläufig beibehaltene Anstellung bei Karrer in Unterkulm war dagegen nur ein Mittel, die Anlaufkosten und das Risiko des eigenen Geschäfts zu reduzieren. In seiner kleinen Werkstatt führte Jakob Zehnder Reparaturen aller Art aus. Gelegentlich konnte er ein Fahrrad der deutschen Marke 'Adler' absetzen, deren lokaler Vertreter er war. Später nahm er auch Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Waschmaschinen und Motorräder in sein Sortiment auf.

Gründung der Kollektivgesellschaft J. Zehnder & Söhne

Jakob Zehnders sieben Söhne liessen sich zu Kaufleuten und Mechanikern ausbilden. Immer mehr beteiligten sie sich am Geschäft und drängten ihren Vater, die Werkstätte zu erweitern. Dies geschah im Winter 1911/1912 mit der Erstellung eines kleinen Fabrikbaus. Am 1. März 1912 gründeten Vater Jakob und seine drei ältesten Söhne die Kollektivgesellschaft 'J. Zehnder & Söhne'. In der kleinen Fabrik wurde nun nicht nur repariert und verkauft, sondern auch emailliert, vernickelt und verkupfert. Während des Ersten Weltkrieges stellte das Unternehmen mit einer wachsenden Belegschaft Munitionsteile her. Bis zu 118 Personen waren in den Werkstätten beschäftigt.